Wie weiter nach einer Fehleinstimmung?

Wenn wir erfahren, wie Momente von Bindungsunsicherheit und Verletzungen repariert und neue Verbundenheit hergestellt werden kann, stärkt das unserem Sicherheitserleben und Beziehungskompetenz – die Kraft der Fehleinstimmung.

Emotionale Fehleinstimmungen sind menschlich und Momente von Bindungsunsicherheit und Verletzungen können, wenn wir Nähe wiederherstellen, zu einer größeren gefühlten Sicherheit und tieferen Verbundenheit führen.

Die Reaktion von Eltern war Gegenstand des Still-Face-Experiments von Ed Tronick im Jahr 1975. Dieses Experiment war ein großer Schritt vorwärts in der Entwicklung der Bindungswissenschaft. Es zeigte, dass das emotional eingestimmte Reagieren der Bindungsfigur entscheidend ist für das emotionale Gleichgewicht des Kindes. Auch schon in sehr frühen Jahren.

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Dies heißt aber nicht, dass „uneingeschränkte emotionale Verfügbarkeit“ und „unbedingtes feinfühliges Reagieren“ von Mutter, Vater oder auch zwischen Partnern notwendig ist.

Die Kraft der Fehleinstimmung

Seit den 80-er Jahren ist die Bindung zwischen Menschen viel erforscht worden. In ihrem 2020 Buch “The Power of Discord” (deutsch: “Die Kraft der Fehleinstimmung”) zeigen Ed Tronick und Claudia M. Gold, dass auch die Fehler der Eltern ein Teil des Heranwachsens sind. Dass es Momente gibt, in denen sie nicht emotional eingestimmt reagieren – ihre Kinder Emotionen wie Unsicherheit, Traurigkeit oder Alleinsein spüren und anschließend erleben, wie die Eltern die Beziehung wieder aufnehmen, empathisch reagieren und die Fehleinstimmung reparieren. Emotionale Fehleinstimmung ist menschlich und riskiert nicht die Bindung – im Gegenteil, wenn Kinder mit ihren Eltern erfahren, wie Momente von Bindungsunsicherheit und Verletzungen repariert und neue Verbundenheit hergestellt werden kann, stärkt das deren Sicherheitserleben und Beziehungskompetenz.

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Altersgerechte Fehleinstimmung

Eltern haben normalerweise vor, so gut wie möglich für ihre Kinder zu sorgen. Jedes Bild oder jeder kulturelle oder gar politische Mainstream, der vorschreibt, was “gut für jemanden sorgen” heißt, kann Eltern, die nach Orientierung suchen und selbst unsicher sind, zur Verzweiflung treiben. Während der NS-Zeit und noch lange danach, gab es die verbreitete Vorgabe, dass Eltern ihr Kind nachts weinen lassen sollten. Viele Menschen, die damals als Baby zu früh allein gelassen worden sind, kämpfen nun ein Leben lang mit einem unsicher-vermeidenden Bindungsstil und haben Schwierigkeiten, Liebe und Verbundenheit zu erfahren und zu genießen.


Ein kleines Kind kann seine Emotionen noch nicht allein regulieren, es braucht eine Bindungsfigur dafür. Wie viel Fehleinstimmung ein Kind oder Erwachsener verdauen und dabei gleichzeitig sein emotionales Gleichgewicht bewahren kann, ist abhängig von Alter und Bindungsgeschichte.
Hier gibt es auch gute Nachrichten: Studien zeigen, dass selbst Eltern, die als Kind wenig oder keine sichere Bindung erlebt haben, in der Lage sind, so mit ihren Kindern zu sein, dass diese einen sicheren Bindungsstil entwickeln. Was zählt, ist das Wissen, dass ein Kind emotional eingestimmte Eltern braucht, um sich zu koregulieren.

Fehleinstimmung in Paarbeziehungen

Menschen sind Bindungswesen und das eingestimmte Dasein unserer Gegenüber ist für uns eine wichtige Ressource, um uns zu koregulieren und uns ein Gefühl von Halt und Sicherheit im Leben zu geben. Wenn unser Liebespartner nicht eingestimmt auf uns reagiert, kann das starke Emotionen in uns hervorrufen.

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Wir fangen an, zu protestieren, üben Druck aus oder wenden uns ab und verschließen uns, um uns vor Zurückweisung zu schützen. Letztendlich kann die emotionale Ablehnung von unserem Partner zu einem Zusammenbruch führen. Solche Gefühle sind nicht kindisch oder unerwachsen, sie zeigen, dass wir Menschen sind.


In einem Moment von Fehleinstimmung sind es klare, einfache, verletzliche Botschaften, die wieder zu Verbundenheit führen. Wenn wir auf unsere Partner zugehen können und sagen „Ich fühle mich gerade alleine und bekomme Angst, unwichtig für dich zu sein.“, wird es für unseren Partner möglich, unseren Schmerz zu sehen und tröstend bzw. bestätigend darauf zu reagieren.
Schwierig wird es, wenn wir uns verfangen in komplexen, verkopften Gesprächen oder mit Du-Botschaften reagieren, wie „Du solltest nicht immer wieder anfangen, über die Vergangenheit zu reden.“

„Wir müssen anerkennen,
dass wir mehr sind als Homo sapien.

Wir sind HOMO VINCULUM –
wir binden uns an andere.

Und diese Verbundenheit ist es,
was uns rettet.

So war es immer.”

Sue Johnson

Falls Sie es in Ihren Liebesbeziehungen nicht schaffen, emotionale Fehleinstimmungen zu reparieren, ist es wichtig, sich als Team dieser Herausforderung zu stellen. Lesen Sie Sue Johnsons Buch „Halt mich fest“, besuchen Sie ein EFT-Paarseminar oder suchen Sie sich eine EFT-Paartherapie. Ihre Liebe ist die Mühe wert!

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