Was erwartet mich bei einer EFT-Paartherapie?

In der bindungsbasierten EFT-Paartherapie arbeiten wir damit, dass sich nur dann etwas ändert, wenn wir emotional bedeutungsvolle neue Erfahrungen erleben. Dieser neuen Erfahrungen ermöglichen es uns, zukünftig anders aufeinander zu reagieren und positive Interaktionsmuster zu kreieren. Nur zu wissen, wie wir es anders haben wollen oder Techniken zu lernen, bewirkt nur ausnahmsweise nachhaltige Verbesserung. Wir müssen es erst selbst erlebt haben.

Liebe, mit sicherer Bindung einhergehend, ist wie eine neue Sprache zu lernen, oder wie einen neuen Tanz miteinander.

Viele von uns haben noch nie eine richtig gute Liebesbeziehung gesehen.

Eigentlich versuchen wir etwas zu erschaffen, das wir nie gesehen haben.

Wir versuchen, eine Sprache zu sprechen, die wir nie gesprochen haben.

Wir wundern uns, warum das so schwer ist.

Sue Johnson

Für den Prozess, diese neuen Erfahrungen und positive Muster zu kreieren, haben wir in der EFT einen Fahrplan:

  1. Wir erkennen, wie wir uns in negative, toxische Muster verfangen und wie wir diese gegenseitig bedingen.
  2. Wir erforschen, welche verletzlichen Gefühle dieses toxische Muster anfeuern, die aber bisher zu riskant waren, zu fühlen und zu teilen.
  3. Als Team stoppen wir das toxische Muster zwischen uns.
  4. Jeder Partner, jede Partnerin lernt sich selbst und den/die anderen auf einer tieferen Ebene neu kennen.
  5. Wir gehen das Risiko ein, uns unsere verletzlichen Seiten zu zeigen und mit den damit einhergehenden Bindungsbedürfnissen aufeinander zuzugehen.
  6. Wir lernen, empathisch aufeinander zu reagieren.
  7. Wir erkennen, verstehen und vergeben Bindungsverletzungen.
  8. Wir finden neue Lösungen für alte Probleme.
  9. Wir finden heraus, was unsere Liebe lebendig und stark macht.

Wie können Sie diesen Prozess fördern?

Wenn Sie in einer EFT-Therapie sind, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Sie selbst diesen Prozess zwischen den Sitzungen fördern können. Ihre Mitarbeit zwischen den Sitzungen ist ein entscheidender Erfolgsindikator für die Paartherapie!

  1. Lesen Sie. Wenn wir eine neue Sprache lernen, hilft es, ein paar gute Bücher in dieser neuen Sprache zu lesen. Bücher, die wir von Herzen empfehlen sind:
    1. Halt mich fest: Sieben Gespräche zu einem von Liebe erfüllten Leben“ von Sue Johnson – Der Klassiker mit über einer Million verkaufter Exemplare. Auf Englisch gibt es dieses Buch auch als Hörbuch.
    2. Falls Sie sich mit einem Arbeitsbuch mehr zu Hause fühlen: „Wir Beide: Das Arbeitsbuch zur Emotionsfokussierten Paartherapie“ von Veronica Kallos-Lilly & Jennifer Fitzgerald.
    3. What happened to You: Conversations on Trauma, Resilience, and Healing“ von Bruce Perry & Oprah Winfrey – Von diesem 2021 erschienen Buch ist noch keine Deutsche Übersetzung vorhanden.
  2. Schreiben Sie. Machen Sie sich nach jeder Sitzung Notizen und/oder führen Sie während der Therapie ein Tagebuch, worin Sie für Sie wichtige Gefühle und Gedanken notieren. Wie einfacher Sie Worte und Bilder aufschreiben, desto besser. 
  3. Reden Sie miteinander. Nehmen Sie sich zwischen den Sitzungen Zeit, um sich miteinander auszutauschen: über die letzte Sitzung, ein Kapital aus dem Buch, das Sie lesen, ein Anliegen, das Sie haben oder eine Hausaufgabe, die Ihre Therapeutin Ihnen mitgegeben hat. Falls das toxische Muster zwischen Ihnen ein Gespräch schwierig macht, können Sie als Notlösung das Zwiegespräch benutzen oder einander schreiben, statt das direkte Gespräch zu suchen.
  4. Schauen Sie. Sich in anderen Paaren zu erkennen, die auch um ihre Liebe kämpfen, macht Hoffnung. Wenn diese Paare es geschafft haben, können wir es auch schaffen. Die DVD von Sue Johnson mit deutschen Untertiteln finden Sie hier.
  5. Seien Sie neugierig. “Was läuft gerade zwischen uns ab?”, “Was ist soeben in mir passiert?”, “Woher kenne ich dieses Gefühl?” sind wichtige Fragen. Da anzuhalten, zu verlangsamen und uns darüber auszutauschen, sind wichtige Schritte in unserem Wachstumsprozess.

Zwiegespräch

Ein Zwiegespräch ist ein Gespräch, worin wir gleichmäßig verteilte Redezeit haben. Einer von uns spricht und redet nur über sich. Der andere hört zu, stellt keine Fragen, nicht einmal Verständnisfragen, und versucht, sich empathisch einzuleben.

Jedes Paar regelt für sich individuell

  • den Ort,
  • den Termin,
  • den Ersatztermin,
  • die Dauer,
  • die Zeit, die einer redet,
  • die Ungestörtheit.
  • Es gibt keine Nachgespräche.

Z. B. treffen wir uns sonntag nachmittags von 15 bis 16 Uhr im Wohnzimmer. Ich rede 15 Minuten, dann du, dann wieder ich und dann du. Wir sorgen, dass wir nicht gestört werden, also stellen wir unsere Handys aus. Den Ersatztermin ist Sonntagabend von 20 bis 21 Uhr.

Diese Grundregeln schaffen die Sicherheit, auf die es ankommt. Ohne sie gelingen Zwiegespräche nicht. Sie erscheinen so leicht, dass sie oft missachtet oder abgewandelt werden. Dann gleiten die Gespräche häufig sofort wieder in negative Muster ab.

Was, wenn es klappt diese Tanz zu lernen?

Eine neue Sprache zu lernen ist Arbeit. Einen neuen Tanz zu lernen kostet Zeit – und Mut. Und es kann Freude machen, miteinander zu wachsen, auch wenn der Weg durch den Schmerz geht. Wenn Sie es beide wollen, ist die Chance groß, dass es klappt. Wenn es klappt, wird es die größte Quelle von Glück in Ihrem Leben sein, von dem nicht nur Sie als Paar, sondern auch Ihre Kinder und nahen Menschen profitieren.

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